Historie


Gründung der Genossenschaft

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte in München, wie auch in anderen Großstädten Deutschlands, extreme Wohnungsnot. Der Anbruch des Industriezeitalters, die Zuflucht in die Städte und die damit verbundenen schwerwiegenden sozialen Probleme, bescherten unzumutbare Wohnungszustände und eine Verknappung der Wohnungen. Von 139.194 Wohnungen verfügten ca. 50 % über keine Toilette, 7.143 Wohnräume waren fensterlos. (Stadt München, Erhebungsstatistik 1904 – 1907).

Nicht nur die damals Aufsehen erregende Schrift aus dem Kreis der christlichen Arbeiterbewegung „Das Wohnungselend der Minderbemittelten“, sondern auch deren Aktivitäten verdankt unser Unternehmen seine heutige Existenz. 

Führende Männer katholischer Arbeitervereine und christlicher Gewerkschaften in München sahen die Lösung im Wohnungsbau, ohne Spekulationsabsicht verbunden mit der Genossenschaftsidee. So gründete sich am 02. April 1909 der „Verein für Volkswohnungen“ in der Rechtsform als Genossenschaft, mit seiner amtlichen Registrierung vom 13. April 1909.

1910 erste Baumaßnahme

Den ersten Grundstein für das Wohnen in Wir-Form legte das Unternehmen 1910 im Neubau der Gründeranlage „Dreimühlenblock“. Besonders für kinderreiche Familien wurde hier Wohnraum geschaffen. Es waren 208 Familien mit insgesamt 1278 Bewohnern, davon 642 Kinder.

Die Stadt München leistete für die benötigten Hypotheken für den Erwerb des dortigen Baugrundstücks zwischen der Thalkirchner Straße und der Dreimühlenstraße, eine bedingte Haftungszusage.

Weitere 6 Wohnungen befanden sich in dem miterworbenen Gebäude Thalkirchner Straße 41.

Inzwischen ist der „Dreimühlenblock“ wegen seiner Geschlossenheit und architektonischen Ausführung dem Denkmal- und Ensembleschutz unterstellt. Er diente bereits mehrmals als Kulisse bei Filmaufnahmen und seine idyllischen Höfe zählen heute zu den „paradiesischen“ Plätzen unserer Stadt (Münchner Merkur 11/2007).

Die Genossenschaft im 1. Weltkrieg

Der 1. Weltkrieg unterbrach und durchkreuzte die Planungen und das Bauen nachhaltig. Andere Sorgen stellten sich ein. Der Fronteinsatz vieler Männer und die kriegsbedingte Stadtflucht vieler Familien zu ihren Angehörigen auf dem Land führten zu Leerstand und wirtschaftlich bedenklichen Mietrückständen. Nicht nur den 33 Kriegerfamilien, welche sich bereits im Dezember 1914 im „Dreimühlenblock“ befanden, wurden deswegen großzügige Mietnachlässe gewährt. 1915 betrugen die Mietnachlässe der VfV-Familien 11.500 Mark.

Das viel und gern genutzte zentrale Bad in dieser Wohnanlage, mit 4 Wannen, 10 Brausen, 1 Kinderbad und Planschbecken, musste im Krieg wegen Brennstoffmangel geschlossen werden.

Während der Kriegsjahre lag die gesamte Wohnungsbautätigkeit brach.

Nach dem 1. Weltkrieg

Erst nach Kriegsende, als sich erneut, aufgrund vieler heimkehrender Soldaten und Flüchtlinge, eine beängstigende Wohnungsnot einstellte, entgegnete man dieser schließlich mit behördlichen Maßnahmen, die allmählich zur Wohnungszwangswirtschaft führte. 50 zusätzliche Wohnungen an der Schleißheimer Straße, die sog. Josefshäuser, wurden durch Kauf erworben und der Zukauf von angrenzenden Grundstücken ließ unsere Wohnanlage „Schwabing West“ (Winzerer-, Clemens-, Schleißheimer Straße) entstehen. 16 weitere Häuser mit 180 Wohnungen gaben damals den Mitgliedern weiteren sicheren Wohnraum. Im Jahre 1924 beschloss die damalige Baugenossenschaft "Selbsthilfe" in Mittersendling (Fall-/Zechstraße) freiwillig die Verschmelzung mit dem Verein für Volkswohnungen. Grund hierfür war die Erkenntnis, dass größere Genossenschaften gemeinsame Ziele besser durchsetzen. Dadurch erweiterte sich der Wohnungsbestand unseres Unternehmens um weitere 8 Häuser bzw. 153 Wohnungen.

 

1924 nach der Währungsumstellung, entstanden am Gotzinger Platz in guter Lage 5 Häuser mit 48 Wohnungen. Als gelungenes Ensemble kann man diese Bauten, die sich hervorragend in die Umgebung von Kirche und Schulhaus einbinden, bezeichnen. Die damals teuere Bauzeit legte auch verhältnismäßig hohe Mieten fest.

1926/27, also wenige Jahre später, wurden im Bauprogramm 10 Häuser mit 91 Wohnungen in Thalkirchen (Zenner-, Schäftlarn-, Pullacher- u. Höllriegelskreuther Straße) erstellt. Weitere 9 Häuser mit 64 Wohnungen errichtete der VfV im Jahre 1929 auf neu erworbenem Grund in „Schwabing West“ (Clemens- und Winzererstraße). Auch durch Zukauf erhöhte sich in diesem Jahr der Wohnungsbestand. Mit dem Gebäude Thalkirchnerstraße 39, und zwei Häusern an der Schäftlarnstraße 148,150, vermehrte sich der Bestand um weitere 28 Wohnungen.

Aus der Epoche des Bauhausstils stammen die 1930 erbauten 8 Häuser mit 59 Wohnungen und die heute unter Denkmalschutz stehende Wohnanlage „Schwabing Ost“ an der Schleißheimer- und Böttinger Straße mit der ins Ensemble eingebundenen Sebastianskirche. Diese Maßnahme bildete den ersten Ruhezyklus in der Bautätigkeit des Vereins.

Die Jahre vor und während des 2. Weltkriegs

Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten brachte auch für die Genossenschaft einschneidende Veränderungen. Auf Anweisung staatlicher Behörden musste sich die Baugenossenschaft Neuhausen, eine sorgfältig geführte und äußerst sparsam arbeitende Genossenschaft, dem Verein für Volkswohnungen anschließen. Sie wurde ebenfalls im Jahre 1910 von Mitgliedern des katholischen Arbeitervereins und christlicher Gewerkschaften gegründet und besaß zum Verschmelzungszeitpunkt insgesamt 14 Häuser mit 185 Wohnungen.

Durch Bombardierungen während des 2. Weltkrieges wurden im Zeitraum von 1943 bis 1945 von unserem Hausbesitz 45 Wohnungen total und 413 Wohnungen teilweise zerstört. Damit waren im Vergleich zu anderen Genossenschaften die materiellen Verluste für den Verein für Volkswohnungen nicht so katastrophal. Diese nüchternen Zahlen sind jedoch mit viel Angst und Leid der betroffenen Mitglieder unterlegt.

An Neubaupläne war während des 2. Weltkrieges aus verständlichen Gründen nicht zu denken.

Neubeginn in Friedensjahren

Wesentlichste Aufgabe nach dem Zusammenbruch war vor allem die Beseitigung der Kriegsschäden. Trotz fast unüberwindlicher Hindernisse wurden bis etwa Mitte 1949 insgesamt 449 Wohnungen instandgesetzt bzw. auf- oder ausgebaut. Mit der Wiederherstellung des zerstörten Hauses Thalkirchner Straße 39 im Jahre 1952 waren die letzten Kriegsschäden behoben.

Trotz der Beseitigung der Kriegsschäden reiften Planungen für Neubauten, da die Wohnungsnot unübersehbar war.

Bereits 1950 konnte an der Böttinger-/Hiltenspergerstraße der erste Nachkriegsneubau von 7 Häusern mit 62 Wohnungen den Mitgliedern übergeben werden. Es folgte 1957 der Neubau an der Schluderstraße von 3 Häusern mit 43 Wohnungen.

Nach sorgfältiger Vorbereitung entstanden 1960 weitere 10 Häuser mit 114 Wohnungen an der Winzererstraße. Dieser Großbau hatte die Eigenmittel der Genossenschaft erheblich beansprucht, so dass erst im Jahre 1968 ein weiterer Neubau von 2 Punkthäusern mit 81 Wohnungen in Unterföhring erfolgen konnte. Der Verein für Volkswohnungen war sich seit seiner Gründung immer seiner sozialen Verpflichtung als gemeinnützige Genossenschaft bewusst. Aus dieser Verpflichtung heraus erwarb sie 1977 von der Firma Compur die Werkswohnungsanlage an der Rupert-Mayer-Straße mit 81 Wohnungen und sicherte somit den Mietern das Wohnen.

Jahrelange Verzögerungen durch langwierige Verhandlungen mit einzelnen Mietern und auch der Stadt München ermöglichten erst im Jahre 1980 den Neubau von 3 Häusern mit 21 Wohnungen an der Höllriegelskreuther Straße.

75 Jahre Verein für Volkswohnungen

75 Jahre seit der Gründung des Vereins für Volkswohnungen haben Altersspuren hinterlassen. Der „Dreimühlenblock“, mit dem unsere Genossenschaft vor 75 Jahren ins Leben trat, war inzwischen den gestiegenen Anforderungen an den Wohnraum nicht mehr gewachsen. Das Fehlen von Bädern und Heizung sowie schlechter Grundrisse machten eine Generalsanierung unumgänglich. Dieser Eingriff begann im Jahr 1983 mit dem Abbruch des vor 1900 erbauten Anwesens Thalkirchner Straße 41. Es entstanden dort 11 neue Wohnungen, 31 Tiefgaragenplätze sowie unser neues Verwaltungsbüro, das in diesen 75 Jahren ihren vierten Umzug erfuhr.

Bis zum Ende der 80er Jahre wurden in mehreren Bauabschnitten der gesamte „Dreimühlenblock“ mit insgesamt 203 Wohnungen generalsaniert, die Grundrisse zeitgemäß gestaltet und die Dachgeschoße ausgebaut.

Im April 1985 begann die Genossenschaft in Garching mit der Errichtung von 81 Wohnungen und 68 Tiefgaragenstellplätzen. 67 Wohnungen wurden durch öffentliche Mittel und 14 Wohnungen mit einem Darlehensgeber finanziert. Bei den letztgenannten Wohnungen ist ein Werkswohnungs-Belegungsrecht auf die Dauer der Rückzahlung vereinbart. 

1985 errichtete die Genossenschaft in Untermenzing, im Rahmen des Wohnungsbeschaffungsprogramms, auf einem Erbbaugrundstück der Landeshauptstadt München insgesamt 27 Reihenhäuser. Diese Reihenhäuser wurden bis 1987 an Eigentümer übertragen. Weitere Generalmodernisierungen mit Grundrissänderungen und Dachgeschossausbauten wurden 1991 bei den sog. „Josefshäusern“ in der Schleißheimer Straße begonnen. Die Maßnahme umfasste insgesamt 56 Wohnungen und 6 gewerbliche Einheiten, wobei sich im Zuge der Grundrissänderungen die Wohnungszahl auf 43 reduziert hatte.

Die Jahrtausendwende

Im Jahre 1998, kurz vor der Jahrtausendwende, beschloss die Genossenschaft den Ersatzbau der 1977 erworbenen Wohnanlage in der Rupert-Mayer-/Schaidler-/Mülhauser Straße. Schwierige Grundrisse, mangelnde Bausubstanz und wirtschaftliche Bauverdichtung bewegten zum Abbruch der 1939 erbauten 80 Wohnungen und 8 Garagen. Bis zum Jahre 2000 entstanden in mehreren Bauabschnitten insgesamt 101 neue Mietwohnungen und 100 Tiefgaragenplätze. Im Rahmen eines Bieterkonsortiums erwarb die Genossenschaft im Jahre 2002 an der Oberländerstraße zwei denkmalgeschützte Häuser mit 26 Wohnungen aus dem Jahre 1908 von der Münchner Rückversicherungs AG. Durch diesen Erwerb konnte der Verein für Volkswohnungen den Mietern den Verbleib in ihren Wohnungen sicherstellen.

Gegenwart und Zukunft

Als traditionelle Genossenschaft am Münchner Wohnungsmarkt ist es unser Ziel, für unsere Mitglieder und Mieter eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung zu gewährleisten. 

Hierzu gehört die schrittweise Sanierung und Modernisierung unseres Althausbestandes, um eine Ausstattung zu schaffen, die den technisch zeitgemäßen Standard erfüllt. Hierzu gehört u. a. der Anschluss an das Fernwärmenetz der SWM der noch nicht zentralbeheizten Wohnungen, der nachträgliche Anbau von Balkonen, genauso wie die Prüfung der Nachrüstung von Aufzügen. Neben der Wohnungsausstattung legen wir zudem Wert auf ein ansprechendes Wohnumfeld, wie Treppenhäuser, Außenanlagen und Spielplätzen.

Durch sinnvolle Nachverdichtungsmaßnahmen, wie z. B. den Ausbau von Dachgeschossen, soll der Wohnungsbestand erweitert werden. Hierdurch können wir unseren – wenn auch nur kleinen – Beitrag zur Entlastung der Wohnungsknappheit in München leisten. 

Aktuell erfolgt die Errichtung des 2. Bauabschnitts des Neubauvorhabens in der Wohnanlage in Neuhausen. Die geplante Fertigstellung und somit der Bezug ist für Mitte 2018 geplant. 

Die Umsetzung der oben stehenden Maßnahmen ist selbstverständlich nur in Abhängigkeit der vorhandenen Kapazitäten und finanziellen Mittel möglich.